Neuer Kommentar zum Tierschutzgesetz erschienen
Nach Jahren intensiver Arbeit konnte Mitte August der erste Kommentar zum geltenden Schweizer Tierschutzgesetz (TSchG) veröffentlicht werden. Das über 1000 Seiten umfassende, im Schulthess Verlag erschienene Werk, an dem 47 Autorinnen und Autoren mitgewirkt haben, richtet sich in erster Linie an ein Fachpublikum und soll insbesondere zu einer konsequenteren und einheitlicheren Umsetzung des Tierschutzrechts beitragen. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) war in verschiedener Hinsicht massgeblich an der Erarbeitung des Kommentars beteiligt.
08.09.2026
In der Umsetzung des Tierschutzrechts bestehen noch immer erhebliche Defizite. So belegen die von der TIR regelmässig vorgenommenen Analysen der Strafpraxis, dass die tierschutzrechtlichen Strafbestimmungen nach wie vor häufig fehlerhaft angewendet und Tierschutzverstösse dadurch bagatellisiert werden. Weiter ist auch immer wieder festzustellen, dass die Behörden bei tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen zu spät und nicht mit der erforderlichen Konsequenz eingreifen, um die betroffenen Tiere vor weiteren Leiden zu bewahren, wie nicht zuletzt auch medial bekannt gewordene Tierschutzfälle wie jene von Ramiswil (siehe etwa die TIR-Newsmeldung vom 8.7.2026) oder Hefenhofen (siehe etwa die TIR-Newsmeldung vom 4.8.2017) zeigen. Setzen sich Tierhaltende gegen verhängte Massnahmen rechtlich zur Wehr, offenbart sich zudem oftmals auch bei den Gerichten ein fehlendes Verständnis für die Tragweite der Tierschutzvorschriften, was nicht selten zu fragwürdigen Urteilen zuungunsten der Tiere führt. Der TSchG-Kommentar soll diesen Mängeln entgegenwirken, indem er den für den Vollzug der Tierschutzgesetzgebung zuständigen Veterinärbehörden, Staatsanwaltschaften und Gerichten als fundiertes Hilfsmittel zur korrekten und einheitlichen Umsetzung der rechtlichen Vorgaben dient. Denn letztlich kann das Gesetz seine Schutzwirkung zugunsten der Tiere nur entfalten, wenn es auch tatsächlich seinem Zweck entsprechend vollzogen wird.
Darüber hinaus wird das Werk auch Rechtswissenschaftlerinnen und Rechtswissenschaftlern eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie zwecks Weiterentwicklung der Tierschutzvorschriften ermöglichen. Das Tierschutzrecht als eigenständige Disziplin hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten an Universitäten und Hochschulen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Kommentar soll einen Beitrag zu dessen Förderung leisten und dem Tierschutzrecht auf akademischer Ebene zusätzliches Gewicht verleihen.
Herausgegeben wird der Kommentar von Prof. Margot Michel und Prof. Daniel Jositsch, den TIR-Geschäftsleitungsmitgliedern Dr. Gieri Bolliger und Dr. Vanessa Gerritsen sowie dem rechtswissenschaftlichen TIR-Mitarbeiter lic. iur. Andreas Rüttimann. Die einzelnen Beiträge wurden von insgesamt 47 Expertinnen und Experten verfasst. Hierbei handelt es sich um Angehörige verschiedener Universitäten, Anwaltskanzleien, Bundesämter, Non-Profit-Organisationen und Gerichte bis hin zum Bundesgericht und Bundesverwaltungsgericht. In der Autorenschaft vertreten sind auch zahlreiche Mitarbeitende der TIR sowie ehemals dem TIR-Team angehörende Juristinnen und Juristen. Die TIR war zudem für die Koordination des Projekts, die Feinabstimmung unter den Beiträgen und die redaktionelle Überarbeitung verantwortlich.
Die TIR bedankt sich bei allen Beteiligten für ihre wertvolle Mithilfe bei der Entstehung dieser bedeutenden Gesetzeskommentierung. Ein besonderer Dank geht dabei an den Schulthess Verlag und speziell an Frau Dr. Laura Diegel und Frau Annette Eberle für deren Geduld und die stets konstruktive Zusammenarbeit. Die TIR ist überzeugt, dass sich der TSchG-Kommentar schnell als Standardwerk etablieren und massgeblich zu einem besseren Schutz der Tiere auf rechtlicher Ebene beitragen wird. Das Buch ist für 328 Franken im Buchhandel oder mit Freundschafts-Rabatt direkt im TIR-Shop erhältlich.
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