Newsletter TIR-Bibliothek: TIR präsentiert den Lesetipp
Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) stellt mit ihrem zweiten Bibliotheksnewsletter des Jahres 2026 wiederum ausgewählte Neuzugänge vor. Präsentiert werden dabei Bücher, Artikel und Filmbeiträge zu tierrelevanten Themen. Im Fokus der aktuellen Ausgabe steht das Buch "Kann KI die Natur retten?" Dieses untersucht, ob künstliche Intelligenz ökologische Krisen beschleunigt – oder ob sie vielmehr zu deren Bewältigung eingesetzt werden kann.
07.07.2026
Manche Menschen formulieren ihre Anfragen an die künstliche Intelligenz besonders höflich und fügen ein "Bitte" hinzu. Dahinter stehen sowohl Faszination als auch Unsicherheit gegenüber dieser leistungsfähigen und mächtigen Technologie, die in Sekundenschnelle grosse Informationsmengen verarbeiten kann.
KI-gestützte Ton- und Bilderkennungssysteme ermöglichen eine schnelle und präzise Auswertung von Daten aus Wildtierkameras. Diese Analysen zeigen, wo bedrohte Arten vorkommen und helfen so, wichtige Schutzgebiete zu identifizieren. Zudem kann KI mögliche Konflikte zwischen Tieren und menschlichen Aktivitäten, etwa der Schifffahrt und Walhaien, frühzeitig vorhersagen.
Weiter ausgebaute Systeme im Bereich der Monitoring- und Frühwarnsysteme, wie beispielsweise TrailGuard AI können zudem helfen, bedrohte Tierarten besser vor Wilderei zu schützen.
Des Weiteren werden im Buch die Risiken und Defizite von KI beschrieben. Denn KI-Modelle sind nur so gut wie die Daten, mit denen sie trainiert werden und diese spiegeln menschliche Fehler, Wissenslücken und Eingriffe in die Natur wieder. Ökosysteme sind so komplex, dass wir weder die genetische Vielfalt noch den Artenreichtum rekonstruieren können. Daher kann Naturschutz nicht allein durch Technik gelingen, vielmehr ist der entsprechende politische und gesellschaftliche Wille zentral. Zudem besteht die Gefahr, dass sensible Daten missbraucht werden: Statt bedrohte Tiere zu schützen, könnten KI-Systeme unbeabsichtigt Hinweise auf ihre Aufenthaltsorte liefern. Deshalb ist vor ihrem Einsatz stets eine sorgfältige Risikoabschätzung notwendig.
Ein wichtiger Aspekt sind die benötigten Rohstoffe, die für die Herstellung der KI-Produkte verwendet werden. Dazu gehören insbesondere die sogenannten Seltenen Erden – eine Gruppe von 17 Metallen, die für viele Hightech-Produkte unverzichtbar sind.
Dieser Prozess belastet oft wertvolle Ökosysteme wie Regenwälder oder die Tiefsee und zerstört die Umwelt teilweise unwiderruflich. Gleichzeitig steigt der Bedarf von KI-Systemen an Rohstoffen und Energie weiter an. .
Das Buch macht deutlich: KI ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, dessen Nutzen von einem verantwortungsvollen Einsatz abhängt. Ob es uns gelingt, mit Hilfe dieser Technologie das Ruder herumzureissen und den fortschreitenden Verlust von Biodiversität zu bremsen, steht noch in den Sternen.
"Kann KI die Natur retten?" von Frauke Fischer und Hilke Oberhansberg ist im Handel erhältlich oder kann nach Voranmeldung während der Öffnungszeiten auch in der TIR-Bibliothek eingesehen werden, wo Lese- und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Aktuelle Neuzugänge in der TIR-Bibliothek werden jeweils im Newsletter TIR-Bibliothek vorgestellt.
Weitere Informationen
- Buch: Biodiversität. 100 Seiten von Jasmin Schreiber
- Buch: Biodiversität zwischen Wasser und Land: Exkursionen zu Gewässern, Mooren und Auen der Schweiz von Florian Altermatt, Sabine Güsewell, Rolf Holderegger
- Buch: Biodiversität, Ökosystemfunktionen und Naturschutz von Werner Härdtle
- Buch: Die Wege der Tiere: Ihre Wanderungen an Land, zu Wasser und in der Luft - in 50 Karten von James Cheshire, Oliver Uberti
- Artikel: Ökologische und soziale Probleme des überhöhten Fleischkonsums. Überblick und Ansätze für Wege aus der Krise von Susanne Stoll-Kleemann
- Artikel: Tierethik im Spannungsfeld von Tierwohl, Landwirtschaft und Agrarpolitik von Markus Vogt
Ein Rettungsring für die Erde
© Moena Zeller
Buchtitel "Kann KI die Natur retten?"