TIR mahnt zu Vorsicht bei Wildtierfütterung im Winter
Für Wildtiere ist das Nahrungsangebot im Winter regelmässig knapp und manch ein Tierfreund oder eine Tierfreundin möchte daher mit dem Bereitstellen von Futter helfen. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) erklärt, weshalb solch gut gemeinte Aktionen in den meisten Fällen mehr schaden als nützen.
16.02.2026
Unsere einheimischen Wildtiere sind biologisch an den Winter angepasst und kommen mit knapper Nahrung in aller Regel gut zurecht. Sie verfolgen dabei unterschiedliche Strategien: Während Wildschweine sich vor der kalten Jahreszeit eine isolierende Speckschicht und ein Winterfell zulegen, reduzieren Hirsche und Rehe ihren Stoffwechsel auf ein Minimum, was zu einer niedrigeren Atem- und Herzfrequenz sowie zu einer Verkleinerung ihrer Organe führt. Um Energie zu sparen, bewegen sich die Tiere auch nicht mehr als unbedingt nötig. Wird dieser "Sparmodus" durch eine Zufütterung plötzlich aufgehoben, werden die Tiere aktiver und verbrauchen wieder mehr Energie. Bleibt das Futter anschliessend wieder aus, bringt dies den hochgefahrenen Energiehaushalt derart durcheinander, dass die Tiere umso mehr in Not geraten. Gefährlich wird dies insbesondere dann, wenn sich geschwächte Tiere auf der Suche nach Nahrung Siedlungen nähern und sich auf Strassen oder Bahnlinien in Gefahr bringen.
Zu beachten ist ausserdem, dass Nahrungsmittel wie Brot, Obst oder Mais den im Winter nur sehr langsam funktionierenden Verdauungstrakt überfordern, was die Entstehung von Krankheiten fördert oder sogar zum Tod der Wildtiere führen kann. Zudem begünstigen Futterstellen die Ausbreitung von Parasiten und Seuchen, da sich viele Tiere auf engem Raum versammeln.
Auch aus ökologischer Sicht ist die Wildtierfütterung problematisch, denn stellt der Winter eine natürliche Populationsregulierung dar. Werden kranke und alte Tiere gefüttert, schwächt dies die Gesamtpopulation im Frühling. Die Zufütterung kann ferner dazu führen, dass Wildtiere in bestimmten Gebieten verbleiben, was erhöhten Verbiss und Waldschäden zur Folge hat.
In vielen Regionen ist das Füttern von Wildtieren denn auch gesetzlich eingeschränkt oder verboten. Die entsprechenden Regelungen finden sich in den kantonalen Jagdgesetzgebungen. Ausnahmen gelten nur in extremen Notwintern und ausschliesslich im Rahmen behördlich angeordneter und fachlich begleiteter Massnahmen. So gilt beispielsweise im Kanton Graubünden ein Winterfütterungsverbot für Schalenwild (Hirsch, Reh, Gämse, Steinbock). In besonders harten Wintern lässt der Kanton Fütterungen durch Fachpersonen durchführen. In ihren Winterlebensräumen erhalten die Tiere dann etwa Heu, oder es werden gezielt einzelne Bäume gefällt, deren Nadeln und Rinde als Nahrung dienen.
Auch bei der Fütterung von Vögeln ist Zurückhaltung geboten. Das bunte Treiben rund um ein Vogelhäuschen im Garten bereitet den Betrachtenden zwar Freude, birgt für die gefiederten Gäste jedoch Gefahren. Das grösste Problem stellt die Krankheitsübertragung dar, weshalb es enorm wichtig ist, auf eine gute Hygiene an der Futterstelle zu achten. Empfohlen werden Häuschen und Futtersäulen mit schmalen Krippen oder Entnahmestellen, die den Vögeln das Hineinsetzen und -koten verunmöglichen. Neben Futter sollte auch Wasser angeboten werden, wobei sämtliche Gefässe täglich zu reinigen sind. Bei Dauerfrost, Eisregen oder geschlossener Schneedecke kann eine richtige Fütterung den Vögeln das Überleben erleichtern. Der Nahrungsbedarf ist am Morgen am grössten, da die Tiere während der Nachtruhe einen beachtlichen Teil ihrer Energiereserven aufbrauchen.
Das Futter sollte stets von einwandfreier Qualität sein und den Bedürfnissen der anwesenden Vogelarten entsprechen: Rotkehlchen, Amseln, Stare und Zaunkönige haben spitze, schlanke Schnäbel und sind Weichfutterfresser (Insekten oder sehr feine Samen). Ihnen können Haferflocken, gehackte Baum- und Haselnüsse, Rosinen und Obst angeboten werden. Körnerfresser wie Finken, Sperlinge, Meisen und Spechte nehmen Mischungen aus Sonnenblumen, Hanf, Nüssen und anderen ölhaltigen Samen auf. Getreidekörner können fast ausschliesslich von Tauben und Sperlingen gefressen werden. Meisenknödel eignen sich durch den hohen Fettgehalt nur bedingt und im Plastiknetz stellen sie zusätzlich eine Verletzungsgefahr für die Vögel und andere Tiere dar.
Was für alle Wildtiere gilt: Sie brauchen im Winter vor allem Ruhe. Spaziergängerinnen und Spaziergänger sollten auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Rückzugsräume respektieren.