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Argumentarium

 

Tierversuche

 

Wissenschaftliches Argumentarium gegen Tierversuche hier ansehen.

Ausgangslage
 
Als Tierversuch gilt jede Massnahme, bei der lebende Tiere verwendet werden mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Annahme zu prüfen, Informationen zu erlangen, einen Stoff zu gewinnen oder zu prüfen oder die Wirkung einer bestimmten Massnahme am Tier festzustellen, sowie das Verwenden von Tieren zur experimentellen Verhaltensforschung (Art. 12 TSchG). Zu unterscheiden sind meldepflichtige Tierversuche mit Schweregrad 0, zu denen allerdings auch Experimente gehören, für die Tiere vorgängig getötet werden, und bewilligungspflichtige Tierversuche, die in leicht- bis hochbelastende Schweregrade (1–3) eingeteilt werden. In den vergangenen Jahren wurden in der Schweiz regelmässig rund eine halbe Million Wirbeltiere in Versuchen eingesetzt.


Idealbild der Stiftung für das Tier im Recht

Tierversuche sind ethisch kaum zu rechtfertigen und bedeuten mitunter sogar eine Gefahr für gesellschaftliche Werte, wie folgende Punkte aufzeigen:

  1. Gemeinsam sind Mensch und Tier die Empfindungsfähigkeit und das Streben nach Leben und Unversehrtheit. Unterschiede lassen sich in Anatomie, Biologie und Artverhalten feststellen. Je nach Art reagieren Tiere auf äussere Einwirkungen anders als Menschen. Verursachen solche Einwirkungen jedoch physische oder psychische Schäden, so empfinden zumindest jene Tiere, die über ein zentrales Nervensystem verfügen, wie Menschen Schmerz. Die Zuverlässigkeit von Tierversuchen muss daher kritisch beleuchtet und die Frage gestellt werden, ob die Experimente nicht vielmehr zu unwissenschaftlichen Ergebnissen führen.
     
  2. Der Wissenschaft oberstes Ziel ist die Forschung zur Erhaltung von Leben und Verbesserung dessen Qualität. Die Existenzen von Mensch und Tier sind unmittelbar miteinander verknüpft. Einer Forschung, die darauf angewiesen ist, Leben bewusst Schaden zuzuführen oder dieses sogar zu zerstören, und gleichzeitig den Anspruch erhebt, Leben fördern zu wollen, liegt ein unlösbarer Widerspruch zugrunde.
     
  3. Weil Tiere uns in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich sind, hält man sie für geeignet, um sie als Stellvertreter für Menschen zu verwenden. Gerade die Tatsache, dass gewisse Tierarten uns verwandt sind, sollte uns jedoch daran hindern, sie experimentell zu benutzen, und uns stattdessen dazu veranlassen, sie mit mehr Respekt und Achtung zu behandeln.


Kurzfristig realisierbare Forderungen

Wie die Abstimmungsergebnisse zu kantonalen und eidgenössischen Volksinitiativen zur  Abschaffung von Tierversuchen gezeigt haben, erachtet unsere Gesellschaft Tierexperimente namentlich im Bereich der Medizin mehrheitlich noch immer als notwendig. Diese Meinung widerspiegelt sich auch in der Gesetzgebung, die für gewisse Bereiche Tierversuche sogar vorschreibt, solange die Zuverlässigkeit geeigneter Alternativen nicht nachgewiesen ist. Vor diesem Hintergrund ist eine vollständige Abschaffung aller Tierversuche derzeit illusorisch. Durchaus realistisch und in absehbarer Zeit umsetzbar sind hingegen folgende Forderungen:

  1. Der Bund unterstützt bewilligungspflichtige Tierversuche im Rahmen des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in grossem Umfang, während die tierversuchsfreie Forschung vergleichsweise vernachlässigt wird. Dieses Ungleichgewicht ist nicht mit dem Bundesauftrag des Tierschutzes vereinbar. Öffentliche Gelder müssen zur Erhaltung menschlichen Lebens eingesetzt werden, gleichzeitig aber auch die ethischen Anforderungen der Bundesverfassung berücksichtigen. Entsprechende Kredite sind daher künftig unter ausgewogeneren Kriterien abzuwägen.
     
  2. Alternativmethoden werden nur anerkannt, wenn sie sich als zuverlässig erwiesen haben. Dieser Nachweis ist schwer zu erbringen und misst sich überdies an den (nicht immer zuverlässigen) Ergebnissen von Tierversuchen selbst. Einerseits ist zu fordern, dass Alternativmethoden durch gesetzliche Anforderungen nicht unnötig behindert werden dürfen, da sich ihre Ausarbeitung und Etablierung ansonsten als zu kostspielig herausstellt. Anderseits sind Bund und Industrie stärker in diese Forschung einzubinden und gesetzlich zu verpflichten, Alternativmethoden aktiv zu fördern.
     
  3. Tierversuche, die nicht dem Erkenntnisgewinn, sondern ausschliesslich der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften dienen, sind ausnahmslos zu verbieten. Wie verschiedene Ausbildungsinstitute in der Schweiz und in Europa mittlerweile zeigen, sind Studiengänge ohne Tierversuche durch Einsatz geeigneter Alternativen heute kein Problem mehr. Ebenso müssen Tierversuche für "Luxusprodukte" wie Tabak oder dekorative Kosmetika einem konsequenten Verbot unterliegen, das sowohl ihre Durchführung in der Schweiz als auch entsprechende Aufträge ins Ausland umfasst.
     
  4. Zu verbieten sind überdies hochbelastende Tierversuche mit Schweregrad 3. In vielen Fällen bringen solche Experimente im Verhältnis zu den Leiden der Versuchstiere keinen bedeutenden Erkenntnisgewinn, wie er in Art. 61 Abs. 3 lit. d TSchV vorgeschrieben ist. Die Alternativforschung ist insbesondere in diesen Bereichen stark voranzutreiben. Wo Alternativen nicht zugänglich sind, muss nach anderen Lösungen zur Umgehung hochbelastender Tierversuche gesucht werden – andernfalls ist auf die entsprechenden Erkenntnisse zu verzichten.
     
  5. Die gesetzlichen Haltungsvorschriften für Versuchstiere entsprechen jenen für Nutz- und Heimtiere. Diese Minimalvorgaben sind nicht tiergerecht: sterile Metallkäfige, lebenslange Beschäftigungs- und Bewegungsarmut, soziale Isolation und künstliches Licht stellen gravierende Beeinträchtigungen des Wohlbefindens und der artspezifischen Bedürfnisse jedes Tieres dar. Zudem sind immer wieder Verstösse gegen die Vorschriften in Haltung, Transport und Umgang festzustellen. Wesentlich strengere Bestimmungen sowie häufige, konsequente und unabhängige unangemeldete Kontrollen (verbunden mit empfindlichen strafrechtlichen Sanktionen bei Widerhandlung) sind dringend erforderlich.
     
  6. Die für die Bewilligungserteilung zuständigen kantonalen Tierversuchskommissionen stellen in ihrer derzeitigen Ausgestaltung unter dem Aspekt des Tierschutzes keine befriedigende Lösung dar. In den je nach Kanton unterschiedlich grossen Gremien sind neben Forschungsvertretern auch Repräsentanten des Tierschutzes vorgesehen, die im Bewilligungsverfahren von Gesuchen allerdings regelmässig überstimmt werden. Zudem unterstehen sie einer strengen Schweigepflicht und haben daher keine Möglichkeit, selbst schwerwiegende Mängel nach aussen zu tragen. Mangelnde detailspezifische Fachkompetenz sowie enormer Zeitdruck sind weitere Hindernisse für Tierschutzrepräsentanten, ihre Arbeit wirkungsvoll zu verrichten. Diesen Umständen ist in der Kommissionsorganisation Rechnung zu tragen. Die Mitglieder sind zwar gewissen Auflagen, nicht aber einer völligen Schweigepflicht zu unterstellen.
     
  7. Eine transparente Kontrolle einzelner Tierversuchsvorhaben und -bereiche durch die Öffentlichkeit existiert heute – mit Ausnahme der vom Bundesamt für Veterinärwesen veröffentlichten jährlichen Statistik – nicht. Die Bevölkerung ist auf Stellungnahmen der Durchführenden selbst angewiesen, auch weil die Tierschutzvertreter in den Kommissionen und die Bewilligungsbehörden der Schweigepflicht unterstehen. Dieser Zustand ist unhaltbar. Der Bevölkerung steht angesichts des öffentlichen Interesses und dem Grundrecht der Meinungsbildungsfreiheit das Recht zu, Einblick in die Tierversuchspraxis zu erhalten.


Antworten auf gängige Argumente von Tierversuchsbefürwortern

  1. Tests direkt am Menschen durchzuführen ist nur möglich und erlaubt, wenn die Unbedenklichkeit des Versuchs bereits gewährleistet ist. Die Wirkung einer unbekannten Substanz muss vorgängig an einem anderen Lebewesen mit einem vergleichbaren Organismus geprüft werden.

    Nachdem während langer Zeit Menschenaffen als dem Menschen am ähnlichsten und somit für die Zuverlässigkeit von Tierversuchen am besten geeignet galten, geht man heute davon aus, dass die einfache Maus dem Gesamtorganismus des Menschen am ehesten entspricht. Ob diese Erkenntnis endgültig ist oder in einigen Jahren erneut revidiert werden muss, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Fest steht, dass trotz Versuchen am Tier regelmässig Medikamente wegen unkalkulierbarer Nebenwirkungen vom Markt zurückgezogen werden. Die Zahl der Spitaleinweisungen und Todesfälle aufgrund unerwünschter oder unerwarteter Nebenwirkungen von in Tierversuchen getesteten Produkten steigt von Jahr zu Jahr. Die Vergleichbarkeit der Organismen stellt somit eine der grössten Herausforderungen dar.
     
  2. Obwohl die Forschung im Reagenzglas (sog. in vitro) ein hohes Mass an Präzision aufweist, ist sie isoliert und gibt keinen Aufschluss darüber, wie sich ein Wirkstoff im Organismus verhält. Um entsprechende Fragen zu beantworten, sind Studien am Tier unerlässlich.

    Je nach Testbereich werden unterschiedliche Tiere verwendet. Neben Praktikabilitätsargumenten spielen Stoffwechselmechanismen, physiologische oder anatomische Gründe eine Rolle für deren Auswahl. In der Neurologie beispielsweise werden Katzen bevorzugt, da ihr Nervensystem in wichtigen Merkmalen jenem des Menschen ähnelt. Gerade diese Auswahl widerspricht jedoch dem Argument, Versuche am lebenden Tier seien deshalb unerlässlich, weil sie Aufschluss über das Verhalten im Gesamtorganismus erlauben, da hierzu nicht allein ein vergleichbares Nervensystem, sondern überhaupt vergleichbare Organe und Funktionen gehören. Im Übrigen werden unzählige wichtige Einflussfaktoren wie Lebensbedingungen, Umwelteinflüsse, Verhalten, Stress usw. im Tierversuch verändert oder ausgeblendet. Künstlich verursachte Krankheiten, eine sterile Atmosphäre sowie die Unterbindung artnatürlicher Verhaltensweisen beeinträchtigen Versuchsresultate beträchtlich. Darüber hinaus werden nur ganz bestimmte Konzentrationen einer Substanz getestet. Es kann auch hier nur von in hohem Masse isolierten Werten gesprochen werden.
     
  3. Seit einigen Jahren spielen transgene Tiere eine immer bedeutendere Rolle in der biomedizinischen Grundlagenforschung. Sie können sozusagen als "massgeschneiderte" Krankheitsmodelle eingesetzt werden.

    Zunehmend wird auf gentechnisch veränderte Tiere gesetzt, die insbesondere in der biologischen und medizinischen Grundlagenforschung als grosse Hoffnung gelten. Neben der Problematik der in diesem Bereich überwiegend hochbelastenden Versuche am lebenden Tier ist die Frage nach der ethischen Legitimation der Gentechnik bis heute keineswegs einhellig akzeptiert. Tiere gezielt krank zu machen, um an ihnen zu forschen, ist ethisch höchst bedenklich. Es fragt sich zudem, ob durch Gen-Einpflanzung bzw.  Veränderung angezüchtete oder hervorgerufene Krankheitsmodelle Aufschluss über den Verlauf von Krankheiten geben können, die auf völlig andere Ursachen zurück zu führen sind.
     
  4. Gewisse Risiken für den Menschen können auch nach Versuchen am Tier nicht ausgeschlossen werden. Würden Sie dieser Risiken wegen aber auf fast alle heutigen Medikamente, Impfstoffe und Behandlungsmethoden verzichten?

    Medikamente und Impfstoffe werden, auch wenn sie vorgängig an Tieren getestet wurden, regelmässig in Versuchen an freiwilligen menschlichen Probanden untersucht, bevor sie für den Markt freigegeben werden. Ohne diese menschlichen Versuche (die unter grössten Vorsichtsmassnahmen vorgenommen werden) wäre die Akzeptanz eines Medikaments oder Impfstoffes kaum denkbar und auch äusserst gefährlich. Im Übrigen ist nicht ein Verzicht auf Medikamente gefordert, sondern eine vertretbare Forschung und Entwicklung dieser Medikamente. Auch ohne Tierversuche ist Forschung möglich – und dies vielleicht sogar besser und zuverlässiger.
     
  5. Labortiere retten Menschenleben.

    Hinweise auf Tierversuche gehen bis ins 5. Jh. v. Chr. zurück. Im Jahre 1970 schätzte man die Zahl der weltweit in wissenschaftlichen Experimenten getöteten Tiere auf 100 bis 200 Millionen. Summiert man sämtliche Tierversuche, die im Namen der Forschung im Laufe der Jahrtausende gemacht wurden, kommt man auf astronomische Zahlen. Dennoch treten immer wieder neue Krankheiten auf und nehmen altbekannte wie Krebs oder Aids an Häufigkeit massiv zu. Die Existenzberechtigung von Tierversuchen muss mehr denn je in Frage gestellt werden. Es ist gar in Betracht zu ziehen, dass die Fixierung auf Tierversuche die Menschheit bisher in falscher Sicherheit gewiegt und ihr den Blick auf eine bessere Forschung versperrt hat.


Weiterführende Hinweise

Virtuelle Bibliothek der Stiftung für das Tier im Recht (http://www.tierimrecht.org/de/bib/);
Suchfelder: >> einblenden

- Schlagworte enthält ‚Tierversuche’ >> suchen.

[Fassung vom 9.8.2005]

 

 
 

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