Gleichgültigkeit ist der grösste Feind des Tierschutzes
06.09.2004
Gleichgültigkeit ist der grösste Feind des Tierschutzes
Tierschutzverein Liechtenstein leistet Lobbyarbeit für Tieranwalt
Die meisten werden ordentlich behandelt, viele sogar geliebt. Aber wehe dem, das ein hartes Schicksal trifft, denn meist ist niemand da, der einem Tier Gehör verschafft. Das zu ändern, hat sich der Tierschutzverein zum Ziel gemacht.
Von Shusha Maier
Es war die Jahreshauptversammlung des Vereins und dementsprechend viele Mitglieder hatten sich im Tierschutzhaus in Schaan versammelt. Aber es war nicht der Kassabericht oder gar diverse Wahlen, die gemäss Statuten anstanden, derentwegen die Tierschützer gekommen waren. Denn aus Erfahrung wissen sie: Ihr Verein ist hervorragend organisiert, und die Finanzen sind in bester Ordnung.
Vorkämpfer
Was die Tierfreunde interessierte, war der Vortrag von Antoine Goetschel. Der Zürcher Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Stiftung Tier im Recht war einer der Vorkämpfer um die Einsetzung eines Tieranwalts im Kanton Zürich. Und auch der Tierschutzverein mahnt schon seit Jahren die Wichtigkeit und Dringlichkeit eines solchen Fürsprechers für Liechtenstein an. Seit dem letzten Jahr scheint auch etwas Bewegung in diese Sache gekommen zu sein. Immerhin wurde von der Regierung bereits der Vorschlag eines zumindest teilweise erneuerten Tierschutzgesetzes vorgelegt. Die wesentlichste Änderung: Die Institution einer Tieranwaltschaft soll eingeführt werden.
Erfahrungsschatz
Frühzeitig bemühen sich die Mitglieder des Tierschutzvereins nun darum, an der mittlerweile mehr als zehnjährigen Erfahrung Antoine Goetschels mit Tieranwälten teilzuhaben. «Seit Amtsantritt des Tieranwalts hat sich die Strafpraxis zum Tierschutzrecht verschärft, haben sich die Beziehungen zu den Untersuchungs- und Gerichtsbehörden ständig verbessert und der strafrechtliche Tierschutz wird ernster genommen», fasst Antoine Goetschel zusammen und legitimiert damit die jahrelangen Bemühungen des Vereins um einen Fürsprecher fürs Tier. Denn «Tiere haben zuweilen zwar laute Stimmen, rechtlich finden sie dennoch kaum Beachtung», bestätigt Goetschel. Überraschend aber: «Die meisten Tierquälereien werden von den Tierhaltern selbst begangen», hat Goetschel im Laufe der Jahre erfahren müssen. Zu wenig Auslauf, zu wenig Zuwendung und Beschäftigung, falsches Futter - das Sündenregister ist zu lang, um vollständig aufgeführt zu werden. Und ganz schlimm ist: Meist ist keiner da, der die Ansprüche eines Tieres gegenüber seinem Halter durchsetzen könnte.
Wertschätzung
Über achtzig Prozent der Wähler im Kanton Zürich fanden denn auch, dass ein Rechtsinstrument geschaffen werden muss, um diesen Missstand aus der Welt zu schaffen, und zwar mit einem «Rechtsanwalt für Tierschutz in Strafsachen im Kanton Zürich», wie die Stelle offiziell heisst. Das Abstimmungsergebnis soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es auch im Kanton Zürich zu Beginn der Kampagne Widerstände und Vorbehalte gab, berichtete Goetschel. Meist wäre es aber nur die weit verbreitete Furcht vor Neuem gewesen, die die Menschen skeptisch gemacht hätte - und die sich bei den meisten zerstreuen liess, wie das Abstimmungsergebnis schliesslich zeigte. Dass Vertrauen und Zustimmung der Wähler gerechtfertigt waren, bewies die Institution in ganz kurzer Zeit: Der Tierschutz hat im Kanton Zürich seit der Einführung des Tieranwalts eine weit grössere Wertschätzung erhalten, sagt Antoine Goetschel.